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Bildstock

der Familie Halberschmidt


Ein Spaziergang am Morgen
ist ein Segen für den ganzen Tag.

Henry David Thoreau 1817 - 1862)
(amerik. Philosoph)


Weitere Erläuterungen zusammengestellt von Ortsheimatpfleger Gerhard Henneke
Weihnachten 2019

Lage nach Straßenbezeichnung: Kathagen 2
Geographische Lage nach Google Earth: 51°33'28.09'' N 8°19'31.07'' O
Höhe ü.N.N. 201 m

Allgemeines, Programmablauf der Restaurierung, Finanzierung und Quellennachweis klicke hier

Der Bildstock steht unter Denkmalschutz und ist von der Fa. Thomas Berghoff Rüthen restauriert worden.
Die von der Gemeinde Anröchte in den Jahren nach 1980 eingesetzte Kommission zur Erfassung aller denkmalwürdigen Bauwerke schreibt folgendes:

Der spätbarocke vergitterte Bildstock gehörte zum ehem. Gehöft Rellecke-Schmidtüns (auch Rumschlaghof genannt) und stand bis ca. 1990 an dessen Hofzufahrt von der Teichstraße.
Im Feld des Kopfrundbogens findet sich inmitten zweier Namensinitialen die griechische Abkürzung für den Namen Jesu:

J IHS B

An der Vorderseite des Sockels sind in einer von Blumenranken gerahmten kreisförmigen Kartusche die aufgrund schädlicher Witterungseinflüsse leider nicht mehr lesbaren Fragmente der einstigen Widmungsinschrift enthalten.
Die Entstehungszeit des Bildstocks ist aber im Zusammenhang mit der Erbauung des nebenstehenden Fachwerkwohnhauses der ehem. Hofstelle Schmidtüns/Rumschlag zu vermuten.
Die erwähnten Initialen J und B im Kopfbogenfeld sind identisch mit der Namensangabe
Jo. Burger
im Torbogen-Balken des Wohnhauses. Das dortige Inschriftenchronogramm ergibt die Jahreszahl 1751. Dies dürfte in etwa auch die Entstehungszeit des zugehörigen Bildstocks sein. Das Monument mit seiner vergitterten Nische selbst war seit seiner Errichtung Aufbewahrungsort einer alten Holzskulptur, die eine Pieta darstellte.
Nach fachwissenschaftlicher Begutachtung und Reinigung von zahlreichen Übermalungen erwies sich diese sogen. Marienklage (=Darstellung der Gottesmutter Maria mit dem Leichnahm ihres Sohnes) als ein äußerst wertvolles Bildhauerwerk der westfälischen Spätgotik aus der Zeit um 1400.
Aufgrund seiner außerordentlichen kunstgeschichtlichen Bedeutung für Westfalen wurde diese Pieta von einem Familienangehörigen im Jahr 1960 an das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster veräußert. Dort stellt die Skulptur seitdem unter der Bezeichnung "Anröchter Vesperbild" eines der wertvollsten Objekte im Ausstellungsbereich Spätmittelalter dar. Eine Kopie der Skulptur befindet sich in der Anröchter Pfarrkirche vor dem linken Seitenaltar.
Während der alljährlichen Anröchter Fronleichnamsprozession bildete der Bildstock bis 2016 die 3. Station.

Quellen:
Juckenhöfel, Elisabeth u.a., Bildstöcke in Geschichte und Brauchtum unserer Gemeinde, Anröchte 1984, S. 105f
Wagner, Georg, Volksfromme Kreuzverehrung in Westfalen, Münster 1960, S. 76
Eickel, Hans, Das Vesperbild von Anröchte, in:
Westfalen, 29. Jg. (1951), S. 192-196
Ders., Ein bedeutendes Vesperbild in Anröchte, in: Heimatbuch des Kreises Lippstadt, Bd. 3 (1952), S. 62-65
Westfalen, 29. Jg. (1951), Heft 2/3, S. 192-196
Eickel, Hans
Westfalenspiegel 1966 (Ausgabe März), S. 37

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