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Bildstock

der Familie Buballa


Wir hoffen immer,
und in allen Dingen
ist besser hoffen
als verzweifeln.

Johann Wolfgang von Goethe


Weitere Erläuterungen zusammengestellt von Ortsheimatpfleger Gerhard Henneke
Weihnachten 2019

Lage nach Straßenbezeichnung: Untere Kirchstraße 1
Geographische Lage nach Google Earth:51°33'35.80'' Nord und 8°19'36,59'' Ost
Höhe ü.N.N. 199 m

Allgemeines, Programmablauf der Restaurierung, Finanzierung und Quellennachweis klicke hier

Der Bildstock steht unter Denkmalschutz und ist von der Fa. Thomas Berghoff, Rüthen-Meiste, restauriert worden.
Die von der Gemeinde Anröchte in den Jahren nach 1980 eingesetzte Kommission zur Erfassung aller denkmalwürdigen Bauwerke schreibt folgendes:
Der aus Münsterländer Sandstein gefertigte barocke Bildstock trägt an der Vorderseite des Kopfstückes die griech. Abkürzung für den Namen Jesus
IHS

An der Nischenschwelle war ein als Chronogramm gestaltetes Gebetszitat aus dem Neuen Testament angebracht:
qUI ManDUCant eX
hoC pane VIVent
[=Die von diesem Brot essen, leben. 1732]

Die Fragmente dieser Inschrift wurden vor einigen Jahren beseitigt. In der Nische befindet sich ein Relief mit einem Bezug zum Gebetsspruch der Schwelle - zwei Engel bei der Sakramentshuldigung in Form einer Monstranz.
An der Vorderseite des Sockels ist ebenfalls in lateinischer Sprache die Stifterinschrift angebracht:
In honorem Sacra-
menti poni curavit
pie defuncta vita
Elisabetha Unger
nata Becker cuius
anima R(equiescat) I(n) P(ace)
[=Zu Ehren des Sakraments sorgte für dieses nach einem frommen Leben die verstorbene Elisabeth Unger geb. Becker, deren Seele in Frieden ruhen möge.]

Die Inschrift bezieht sich auf die 1652 in Anröchte als Tochter der Eheleute Ludwig Becker u. Clara Anna geb. Brunstein geborene Elisabeth Becker. Sie heiratete 1681 den chrirurgus [=Wundarzt] Heinrich Unger, der zugleich Besitzer des gleichnamigen Hofes war. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1710 verzog Elisabeth Unger zu ihrem zweitältesten Sohn Heinrich Unger (* 1685), von 1721-1724 Pfarrer in Warendorf. Dort verstarb sie 1723. In ihrem, bei ihrem Sohn hinterlegten Testament verfügte sie die Errichtung des Bildstocks in Anröchte zu Ehren des Sakraments, die dann 1732 durch ihre hier lebenden Kinder und Erben erfolgte.
Ihr Bruder Gottfried Becker war 1664 Vikar in Anröchte und von 1667-1691 auch Pfarrer.
Der Ungerhof existierte bis 1907 und wurde dann mit dem Gehöft Jacobi-Münstermann vereint.
Der Bildstock dient als 4. Station bei der Fronleichnamsprozession.

Quellen:
Juckenhöfel, Elisabeth u.a., Bildstöcke in Geschichte und Brauchtum unserer Gemeinde, Anröchte 1984, S. 99f
Stille, Franz, Der Unger-Hof in Anröchte, in: Lippstädter Heimatblätter 20. Jg. (193), S. 18
Ders., Anröchte - Dorf u. Pfarrei im Wandel der Zeiten, Lippstadt 1937, S. 163.
Zusatz: Der Bildstock befindet sich im Eigentum der Fam. Buballa. Damals, nach dem II. Weltkrieg, hat Theodor Buballa mit seiner Familie Zuflucht in Anröchte gefunden, nachdem Buballas, wie so viele Ihrer Landleute, aus Schlesien vertrieben wurden und nach Westdeutschland flüchten mußten. Hier in Anröchte wurde die Familie dann ansässig und Herr Theodor Buballa gründete im Jahr 1950 als gelernter Apotheker die östlich angrenzende Adler-Apotheke ( heute nicht mehr vorhanden) und später das angrenzende zu Wohnzwecken umgebaute Haus und den Garten, Untere Kirchstrasse 1. Im Jahr 1962 verstarb Herr Theodor Buballa und Sohn Gotthard übernahm mit seiner Ehefrau Marianne geb. Gebauer die Apotheke und führte sie bis zum 20.11.1996. An diesem Tag fand eine Gasexplosion in der Apotheke statt und zerstörte das Gebäude, leider ist auch eine Frau dabei zu Tode gekommen. Das Haus mußte abgebrochen werden. Weitere Einzelheiten dazu siehe hier: Explosion zerstört Adler-Apotheke.

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