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Bildstock

an der Frankenkapelle


Wenn es einen Glauben gibt,
der Berge versetzen kann,
so ist es der Glaube
an die eigene Kraft.

Marie von Ebner-Eschenbach


Weitere Erläuterungen zusammengestellt von Ortsheimatpfleger Gerhard Henneke
Weihnachten 2019

Lage nach Straßenbezeichnung: Kapellenweg
Geographische Lage nach Google Earth: 51°33'34.22N 8°21'21.21'' O
Höhe ü.N.N. 220 m

Allgemeines, Programmablauf der Restaurierung, Finanzierung und Quellennachweis klicke hier

Der Bildstock steht unter Denkmalschutz und ist von der Fa. Schmidt, Laer, restauriert worden.
Die von der Gemeinde Anröchte in den Jahren nach 1980 eingesetzte Kommission zur Erfassung aller denkmalwürdigen Bauwerke schreibt folgendes:

Der spätbarocke Bildstock ist das älteste volksreligöse Objekt auf diesem Platz. Im Feld des Kopfstücks findet sich die griechische Abkürzung
I H S
für Jesus. An der Vorderseite des Sockels ist in einer Kartusche das Jahr der Errichtung sowie die Stifter- und Widmungsinschrift angebracht, wobei die letztere leider nur noch fragmentarisch erhalten und kaum lesbar ist:

A[nn]o 1739 den 16. May hat (.)
Hinrich (.)dte genannt (.) und
desen Eh(frau) Gerdrut (.) haben
dieses zur Ehr Gottes aufrichten lassen.

Der Familien- und Hofname des Ehemannes u. der Geburtsname der Ehefrau sind aufgrund der starken Verwitterungen an der Sockelfront leider nicht mehr lesbar. Der Bildstock selbst aber gehört zu einer Reihe weiterer spätbarocker Objekte in Anröchte, die in der ersten Hälfte des 18. Jh. in großer stilistischer Ähnlichkeit u. evtl. von der gleichen Hand eines kunstfertigen Steinmetz/Bildhauers gefertigt wurden.
Dieses religiöse Wegemal wurde 1739 an der Grenze zwischen der Anröchter und Berger Feldflur aufgestellt und diente offensichtlich als Station während der bis 1906 durchgeführten Anröchter Markusprozession, einem ausgedehnten Bittgang um die Anröchter Feldmark.

Quelle:
Juckenhöfel, Elisabeth u.a., Bildstöcke in Geschichte und Brauchtum unserer Gemeinde, Anröchte 1984, S. 107f

Zusatz: Aus einer Broschüre: Kreuzweg an der Frankenkapelle, Herausgeber: Kath.Pfarramt Anröchte, ist weiteres zu erfahren.

Geschichte des Kreuzwegs an der Frankenkapelle
Das Gelände an der Frankenkapelle strahlt eine besondere Atmosphäre aus.
Seit Jahrhunderten ist es ein Ort der Besinnung und des Gebetes inmitten der Feldflur mit einem Ausblick weit in die Ferne. Die mächtigen uralten Linden an der Stirnseite ermöglichen gemeinsam mit der Einfassung des Platzes eine innere Sammlung, die über den Alltag hinaushebt. Bereits im Jahre 1739 wurde auf diesem Platz ein Barockbildstock errichtet, der das Bild der Grablegung Christi birgt. Dieser Bildstock war an dem damaligen großen Prozessionsweg errichtet worden, der in einer Urkunde des Pfarrarchivs Hoinkhausen aus dem Jahre 1716 folgendermaßen beschrieben ist:
"Bei Anbruch der Nacht des 2. Pfingsttages formierte sich in Altenrüthen nach der Feier einer hl. Messe eine sehr große Prozession, an der bis zu 1500 Menschen teilnahmen. Die Prozession wurde die,Hilgenwacht' genannt. Der Weg führte über Drewer, Effeln, Anröchte, Berge, Weickede, Hoinkhausen, Westereiden, Östereiden, Heddinghausen, Hemmern, Aschetal, Kallenhardt, am Schloß Körtlinghausen vorbei zurück nach Altenrüthen."
(Nebenbemerkung:
Ahnte man damals vielleicht schon etwas von einem Pastoralverbund, der 300 Jahre später einmal all diese Orte zusammenfassen würde?)
Diese große Prozession fand bis zum Jahre 1841 statt.
Im Jahre 1876 wurde auf dem Gelände ein kompletter Kreuzweg errichtet.
Mehrere Anröchter und Berger Familien stifteten dazu jeweils eine Kreuzwegstation.
Der Bauer Schlüter-Franken besuchte diesen Ort häufig.
Es ist überliefert, dass er bei seinen Besuchen dort mehrfach eine Lichterscheinung sah. Er ließ daraufhin eine Kapelle auf diesem Grundstück errichten, die heute unter Denkmalschutz steht und nach seinem Namen als Frankenkapelle bezeichnet wird. In den Jahren 1926 bis 1930 wurden Kreuzweg und Kapelle neu instandgesetzt. In den 1960-er Jahren verfielen die Kreuzweg-Stationen. Manche von ihnen wurden durch ihre Stifter oder andere in Obhut genommen und entfernt. Die Kapelle wurde weiterhin instand gehalten und gepflegt. Mehrere Gemeindemitglieder aus Anröchte und Berge zeigen dort, besonders in den beiden Jahrzehnten um die Jahrtausendwende, großes ehrenamtliches Engagement.*
Als am Morgen des 22. Oktober 2004 während der Vorbereitung zum Kölner Weltjugendtag das Weltjugendtagskreuz auf dem Weg durch Deutschland ausgerechnet rechnet in Anröchte Rast machte, berührte der Pilgerweg in Richtung, Büren Hardehausen, Paderborn auch den Platz an der Frankenkapelle, was diesen natürlich aufwertete. Schon bald kam der Gedanke auf, an dieser Stelle wieder einen Kreuzweg neu zu errichten, zumal einige Jahre zuvor der große Altar aus Anröchter stein aus der Pfarrkirche genommen und auf das Gelände vor der Frankenkapelle gestellt worden war. Dieser Altar trägt die Symbole des Kreuzes, des geöffneten Herzens und der geöffneten Seite Jesu.
In die Realität umgesetzt wurde dieser Gedanke der Wiedererrichtung des Kreuzweges im Jahre 2010. Mehrere Anröchter und Berger Familien bzw. Einzelpersonen stifteten eine Kreuzwegstation. Viele gaben auch beträchtliche Spenden dazu. Auch Firmen beteiligten sich. So wurde der Kreuzweg ein Gemeinschaftswerk. Geschaffen wurde der neue Kreuzweg in der Steinmetzwerkstatt Schütte. Die Bronzereliefs stammen von dem Künstler Walter Mellmann.
In den Kreuzweg einbezogen wurden die Pieta in der Frankenkapelle und das Bild der Grablegung im Barockbildstock. Das Kreuz in der Mitte der mächtigen Linden wurde zum Symbol der Auferstehung und unserer Verbindung mit dem Leben und Sterben Jesu und seiner Auferstehung umgestaltet.

In den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts hat sich insbesondere um den Erhalt der Kapelle Herr Ernst Rellecke 1918 - 2003 verdient gemacht. Er hat sich wie kein anderer um den Erhalt der Kapelle bemüht, ja man kann sagen, ohne Ernst Relleckes Einsatz gäbe es dieses schöne Kleinod nicht mehr.

Die Kapelle wird von Frau Droste seit vielen Jahren gepflegt, das Grundstück pflegt die Gemeinde Anröchte.
An dieser Stelle erlaube ich mir noch folgenden erläuternden Hinweis:
Der Anröchter Altarstein war seit vielen Jahren aus der Anröchter Pfarrkirche entfernt worden und lagerte wohl verwahrt im Steinbruch der Familie Willi Rinsche in Klieve. Während der dortigen Lagerung hat es viele Versuche gegeben, den mächtigen Altarstein für andere, profane Zwecke zu verwenden. Allein Willi Rinsche, dem Senior-Firmenchef, ist es zu verdanken, daß dies nicht geschah. Als dann der Stein zur Frankenkapelle geschafft wurde - der Verfasser hat diesen Einsatz mit Hilfe der Anröchter Feuerwehr persönlich organisiert und geleitet - konnte der Altarstein infolge der nassen Grasfläche nur mit dicken Rundhölzern auf Bohlen an seinen jetzigen Platz unter Einsatz einer Seilwinde gerollt werden.

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